Essen und Politik

Essen und Politik

1. Juni 2015 , In: Alltag
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Gut ist: wählen zu können

Was haben Essen und Politik gemeinsam? Man kann wählen.

Man kann eben nicht wählen, wer man ist. Wir werden in ein Land, in einen Kulturkreis, in eine Familie hineingeboren. Während all unserer Tage hier auf Erden stecken wir in ein und dem selben Körper, der uns gegeben ist. Einige von uns können ihr Körpergewicht, manche vielleicht auch den Gesundheitszustand (#Weltnichtrauchertag) beeinflussen – im Wesentlichen gelingt uns das aber nicht.

Was wir aber ganz bewusst lenken können, ist unsere Ernährung. Wir können wählen, Fleisch zu essen oder nicht, biologisch zu essen oder nicht, dürfen darüber mutmaßen, ob unserem jeweiligen Organismus Milch- sowie Weizenprodukte zuträglich sind oder nicht. Jeder von uns kann seine Mahlzeiten so gestalten, wie sie ihm behagen. Und wenn man nur entscheidet, satt zu werden, und die Art der Ernährung an sich nicht großartig beachtet.

Nach einer Unterhaltung darüber an einem gemütlichen Heurigenabend mit Freunden und der ernüchternden Information über die aktuellen Wahlergebnisse im Anschluss daran dämmerte mir der Zusammenhang: Wählen zu können, ist eine Sache. Auswirkungen zu spüren wieder eine andere. Warum gehen im Burgenland nur 76 Prozent, in der Steiermark gar nur 67,7 Prozent der Bevölkerung zur Wahl? Weil die dort lebenden Menschen den Glauben daran verloren haben, mit ihrer Stimme etwas bewirken zu können. Politikverdrossenheit ist allgegenwärtig, der kleine Bürger fühlt sich als Spielball der Großen. „Der Staat hat aufgehört, ein Staat zu sein. Denn sein oberstes Ziel verfolgt er nicht mehr: das Beste für seine Bürger zu wollen“ stand unlängst in einem Kommentar eines Standard-Artikels über die Steuerreform.
Es ist wohl ein Gefühl der Ohnmacht, das die Menschen in einer Demokratie so handeln lässt. Und wenn schon keine Auswirkungen der weitreichenden Entscheidungen, nämlich der, sich am System im eigenen Land durch ein Kreuzerl zu beteiligen, spürbar sind, will man wenigstens in seinem persönlichen Mikrokosmos wissen und spüren, was geschieht. Esse ich etwas, das mir gut tut, fühle ich mich gut. Verzichte ich auf Hühner aus Massentierhaltung, leiste ich sogar einen politisch korrekten Beitrag und erspare meinem Körper eine Menge an Schadstoffen, die diese Tiere in ihren kurzen, traurigen Leben gefüttert bekommen haben. Bin ich überzeugt davon, dass meine Essgewohnheiten einem gesunden, ausgewogenen Lebensstil förderlich sind, erzähle ich Freunden und Bekannten davon. Oft mit einer Begeisterung, einem Nachdruck, wie früher am Wirtshausstammtisch politisiert wurde. Nahrungsaufnahme als Ersatzpolitikum. Esst das, damit bewirkt ihr das!

Beides ist eigentlich mehr als gut. Es ist ein unvorstellbarer Reichtum, sich entscheiden zu dürfen, womit man seinen Bauch füllen möchte. Wir leben in einer Welt, in der eine tropische Mango genau so einfach zu bekommen ist wie eine heimische Erdbeere. Was wir in unserer Welt aber noch mitentscheiden dürfen, ist etwas, das in vielen, vielen Ländern dieser Erde tatsächlich unvorstellbar ist: und zwar, von wem wir unser Land regiert sehen möchten. Hierbei stehen wahrlich nicht nur Persönlichkeiten zur Auswahl, denen man sein Vertrauen schenken möchte. Wenn wir aber aufhören, von dem Recht mitzusprechen Gebrauch zu machen, wird uns bald gar keiner mehr fragen! Nehmen wir die Chance wahr, uns selbst zu hegen und zu pflegen, aber auch die Welt, in der wir leben. Lasst uns der glücklichen Lage bewusst werden, dass wir es sind, die von unserem Elfenbeinturm aus darüber richten, wie es in und um uns aussieht. Selbst, wenn wir nur darauf achten, woher das Fleisch kommt, das wir kaufen, und wir mit der Entscheidung für regionale Produkte faire Preisgestaltung und nachhaltiges Wirtschaften mittragen. Wählen ist eine bewusste Entscheidung für das Kleine – genau wie das große Ganze. Lasst uns zumindest dort wählen*, wo wir können!

* Besser ein ungültiges Kreuzerl als gar keine Stimme.

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