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Gjaidalm: Aussteigen? Aufsteigen!

5. April 2016 , In: Freizeit, Natur
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Gut ist: nach Höherem zu streben

Mal ehrlich, es war nur eine Frage der Zeit. Als Gjaidalm-Fan mit Leib und Seele musste der Moment (oder Monat ;-)) kommen, an dem ich fürs Biomagazin einen Artikel über den tollen Platz am Krippenstein auf der oberösterreichischen Seite des Dachsteinmassivs schreiben würde.
Tatatataaaaa… hier ist er:

goodblog: Gjaidalm im Biomagazin - Aussteigen? Aufsteigen!
Der Artikel im Biomagazin: Aussteigen? Aufsteigen!

 

Aussteigen? Aufsteigen!

Mikela und Patrick Endl haben genau das getan. Sie wollten höher hinaus – und haben Karriereleiter gegen Almhütte getauscht. Carmen Hafner hat sie auf der Gjaidalm im oberösterreichischen Dachsteinmassiv besucht.

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Über die erste Stütze, dann die zweite. In der modernen Großraumgondel kann es schon mal etwas schaukelig werden. An der Mittelstation umsteigen in die Bahn der nächsten Teilstrecke, direkt auf den Gipfel des Krippensteins mit mehr als 2.100 Metern Seehöhe. Steil geht es bergauf – bevor sich die malerische alpine Hochebene auftut.

Es gibt viele Wege, die auf die Gjaidalm führen. Die Seilbahn ist nur einer davon, der bequemste. Vom Gipfel geht es wieder hinab, dann aber mit der fast schon antiken Variante: die Kabinen der dritten Teilstrecke stammen nämlich allesamt aus den 60er Jahren und sind unverändert bis heute in Betrieb. Es scheint, als wäre hier oben die Zeit stehen geblieben.

Tradition trifft Moderne

Wenn man gemütlich wandert, erreicht man von hier die Almhütte auf 1.738 Höhenmetern in zehn Minuten. Aus dem Tal wären es übrigens zwischen drei und sechs Stunden, je nach gewähltem Weg. Spaziert man nun um die letzte Kuppe der Schotterpiste, erblickt man den hauseigenen Lift für Übungsfahrten und gleichzeitig die Anbindung ins Skigebiet Krippenstein. An dessen Ende liegt sie, die Gjaidalm oder kurz „Gjaid“, wie sie von Kennern genannt wird. Ihr Name leitet sich von dem veralteten Mundartwort für Jagd ab. Ringsum grasen im Sommer die Kühe, gleich drei Hunde begrüßen die Gäste. So rustikal die Atmosphäre hier anmutet, so jung und frisch ist das Personal: Die Pächter Miki, 30, und Patrick, 33, haben im Herbst Bürosessel gegen „das schönste Büro der Welt“, wie sie einstimmig sagen, getauscht. Nun gibt es hier Alpenflair, W-Lan und Yogawochenenden.

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Die Gjaidalm ist ein wundervoller Ort in Österreich, ihr beide lebt eigentlich in Deutschland. Wie seid ihr zum ersten Mal hierher gekommen, habt ihr sie euch zufällig erwandert?

Miki: Ich hab Michael, den Besitzer, bei einer Geburtstagsfeier in Deutschland kennengelernt. Kurze Zeit später war ich das erste Mal mit ihm da – und sofort begeistert. Für die nötigen Umbauten organisierte ich eine große Renovierungsaktion mit hundert freiwilligen Helfern aus aller Welt. Seither bin ich nie wieder ganz losgekommen.

Patrick: Wir beide haben uns auf einem Seminar kennengelernt, das ich um ein Haar nicht besucht hätte… weil ich eigentlich am gleichen Wochenende auf einer Hütte am Dachstein hätte sein sollen. Die Gjaid hat uns also von Beginn an begleitet; mittlerweile ist sie unser zuhause und das unserer kleinen Tochter Heidi.

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Seit der aktuellen Herbst-/Wintersaison habt ihr euren Lebensmittelpunkt vollkommen herauf verlegt. Was war letzten Endes dafür ausschlaggebend?

Miki: Nachdem wir einige Jahre tolle Seminare auf der Gjaid veranstaltet haben, kristallisierte sich immer mehr heraus, was wir wirklich machen möchten im Leben. Irgendwie träumten wir beide immer davon, doch der richtige Zeitpunkt sollte erst kommen. Und wir mussten uns erst trauen, alles zu übernehmen – denn es ist ja doch eine große Hütte mit hohen Kosten, aber auch mit riesigem Potential.

Ist es so, wie ihr es euch vorgestellt habt? Fehlen euch manchmal eure alten Jobs?

Patrick: Ich arbeitete als Ingenieur und halbtags als Erlebnispädagoge, Bergwanderführer und im Konfliktmanagement. Ehrlich gesagt fehlt mir hier gar nichts, da ich nun all das mache, was ich immer wollte. Ich kann mein ganzes Wissen und Können verbinden sowie viel Neues dazulernen.

Miki: Es hat mir super viel Spaß gemacht, in den letzten acht Jahren das Marketing einer Firma zu leiten. Aber hier geht es mir noch besser. Ich bin frei in allen meinen Entscheidungen. Anscheinend bin ich wohl eher dafür gemacht, selbstständig zu sein. Auch wenn wir hier oben 18-Stunden-Tage haben, gehen wir glücklich zu Bett, das ist einfach unbezahlbar. Und dass wir das gemeinsam, als Familie, erleben dürfen.

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Eure Tochter Heidi ist fast 2 Jahre alt. Ist es schwierig mit einem Kleinkind auf der Alm?

Miki: Im Gegenteil. Das Leben ist hier sehr viel langsamer und entspannter. Heidi hat Zeit, die Welt zu entdecken und liebt es, wenn viele Kinder bei uns sind. Ich denke, Kinder sind selbst glücklich, wenn ihre Eltern es sind. Das spürt man bei Heidi deutlich.

Was seht ihr als den größten Mehrwert, wenn sie hier oben aufwachsen kann?

Patrick: Unsere Tochter darf in einer Umgebung von Naturliebhabern, Freigeistern und lebensmutigen Menschen groß werden. Ich denke, das inspiriert. Jeder kann so sein, wie er wirklich ist, es gibt kein gesellschaftliches Muss.

Plant ihr, wieder ins Tal zu ziehen, wenn Heidi in den Kindergarten gehen muss? 

Miki: Nein, auch wenn uns das viele Leute fragen. Wir sind froh, dass es in Österreich keine Schul-, sondern nur eine Unterrichtspflicht gibt. Wer weiß: Vielleicht gibt es in ein paar Jahren hier eine Alpenschule. Nein, wirklich – am Berg verlieren sich die normalen Konventionen und man sieht die Dinge viel freier. Irgendwie findet sich immer eine gute Lösung und ich bin mir sicher, dass das beim Thema Schule wieder so sein wird.

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Die Gjaid liegt in weitgehend unberührter Natur. Da ist ohnehin viel Bio, oder? Wie integriert ihr Nachhaltigkeit und biologisches Bewusstsein in den Hüttenalltag?

Patrick: Meiner Meinung nach sollte es ja nicht „Bio“, sondern „Normal“ heißen. Genauso behandeln wir das Thema. Wir heften es uns nicht an die Fahnen, schreiben es nicht auf die Speisekarte – es ist selbstverständlich. Wir wollen auch nicht, dass der Gast dafür mehr bezahlen muss. Er bekommt es in Form von biologischen Produkten wie Milch, Honig, Müsli, Kaffee, Gemüse und Eier von glücklichen Hühnern… und schätzt das auch. Wir kaufen biologische Putzmittel, aber da geht es mehr um unsere eigene Einstellung, als dass wir damit Werbung betreiben möchten.

Stichwort nachhaltig: Ihr bietet vielfältige Themenworkshops zu Naturthemen und auch Tiefgründiges an. Wen möchtet ihr damit bei euch am Berg willkommen heißen?

Patrick: Menschen, die anders denken. Wir hatten das Glück im Leben, uns viele Gedanken über das Sein machen zu dürfen. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, so selbstreflektiert und -bestimmt aufzuwachsen. Darum soll die Gjaid ein Ort sein, an dem man zu sich finden kann.

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Oder zu anderen: „Heidi meets Peter“ ist beispielsweise ein Wochenende zur Partnervermittlung für Outdoor-Begeisterte.

Miki: Genau. Eigentlich ist diese Form des Treffens durch unsere Freunde entstanden, die einfach mal ein Wochenende ohne Paare verbringen wollten. Also haben wir eine Veranstaltung im Sommer und eine im Winter organisiert, die outdoor Menschen zusammenbringt. Das Ganze ist keine Kuppelshow, sondern eine Alternative mit Lachen und Tanzen für Singles, die nicht immer im gleichen Freundeskreis mit den selben Pärchen sein möchten. Tja, und mittlerweile gibt es dadurch drei Hochzeiten und ein Baby!

Ihr seid durch das vielfältige Angebot und die vergleichsweise große Hütte quasi Unternehmer am Berg. Was wollt ihr anderen Menschen mit Aussteiger-Sehnsüchten mit auf den Weg geben?

Patrick: Traut euch im Leben und lasst euch auf Ungewisses ein!

Miki: Und traut euch auch als Paar, denn es gibt nichts Schöneres, als jeden Tag sein Unternehmen gemeinsam mit Ideen und Visionen zu gestalten.

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Veranstaltungen auf der Gjaidalm: Vielfalt am Berg

Ein paar der unterschiedlichen Veranstaltungen auf der Gjaidalm:

  • Yoga & Outdoor, von 29.03.-01.04.2016
  • HeidiMeetsPeter – nur für Outdoor-Singles, von 01.-03.04.2016 und bestimmt bald wieder ;-)
  • „Sterben für Anfänger“ mit Bestsellerautor Clemens Kuby, von 02.-05.Juni 2016
  • Sommersonnwende mit Feuerlauf und Sonnwendfeuer, von 24.-26. Juni 2016

Und noch was:

Hütte oder Idee zu vergeben?

Isabella Mayr, die gelernte Bäckerin und Konditorin, hat nach Stationen als Obstverkäuferin in Neuseeland, beim Olivenernten in Italien, zur Gartenpflege in Hawaii, auf langen Wanderungen von Österreich nach Spanien und rund fünf Jahren in St. Moritz das Hüttenleben geschupft, bevor Miki und Patrick im Herbst heraufkamen. Immer noch als eifrige Kraft auf der Gjaid streckt die Reisende aber ihre Fühler auch wieder nach neuen Herausforderungen aus. Wer also eine Idee oder gar eine Hütte hat, die bewirtschaftet werden soll – bitte an isabellamayr86@gmail.com schicken!

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Bilder: © Gjaidalm und pictoresk.at

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  1. Antworten

    Ein wundervolles Interview und Micki und Patrick kommen so sympathisch rüber, dass ich sie am liebsten gleich einmal drücken würde.
    Die beiden machen das genau richtig!

    liebste Grüße
    Rebecca

      • Carmen
      • 7. April 2016
      Antworten

      Hehe das freut mich, danke – und Miki und Patrick bestimmt auch, wennst sie mal besuchen kommst :-)

  2. Pingback: Geburtstags-Gewinnspiel: Gjaidalm für Zwei | goodblog – So viel Gutes!

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