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Kochtopf statt Mistkübel

10. September 2015 , In: Alltag, Konsum
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Gut ist: Essen verwerten statt entsorgen

Szenario 1: ein typischer Österreichischer Haushalt. Die Bewohner fahren in den Urlaub, die noch vorrätigen Lebensmittel müssen weg. Wieder mal zu viel eingekauft.
Szenario 2: ein Supermarkt. Was nicht verkauft wird, entsorgt man am Ende des Tages. Brot vom Vortag ist ja sowas von Sozialmarkt.
Szenario 3: ein Gemüselieferant. Der rote Paprika hat einen grünen Fleck. Die Gurke ist zu kurz. Die Banane krumm (ah, Moment, das soll ja sein, aber bitte mindestens 27 mm dick wollen wir sie schon – siehe EG-Verordnung). Die Karotte war es wohl, die krumm war. Also Ausschussware. 

Kochtopf statt Mistkübel

Unmengen von Lebensmitteln wandern in den Müll, bevor sie verderben. Vieles von dem entsorgten Gut könnte noch verwertet werden, große Mengen schaffen es überhaupt nie in den Verkauf, weil irgendetwas in der Erscheinung der Produkte nicht hundertprozentig stimmt. Das kann bedeuten, dass zum Beispiel ein Apfel einfach zu klein oder ein wenig fleckig ist. Seit ziemlich genau zwei Jahren hat beispielsweise die REWE Gruppe aus diesem Anlass die Wunderlinge im Angebot. Unter dem Motto Die Vielfalt der Natur soll so Obst und Gemüse, das trotz eigenwilligem Aussehen einwandfrei in Qualität und Geschmack ist für den Handel bereitgestellt werden können, wovon sowohl Konsument, als auch Lieferant profitieren.

Nun habe ich vor einigen Wochen auf der Burg Clam eine besondere Initiative entdeckt: Kochtopf statt Mistkübel mit Namen, superlecker im Geschmack. Zur Vermeidung von Lebensmittelmüll wird live vor Ort aus den Sachen, die sonst weggeworfen werden, etwas Schmackhaftes gekocht. Vor dem (wirklich spitzenmäßigen!) Konzert von Hubert von Goisern haben Profi-KöchInnen, Einkoch-Spezialistinnen von Bio Austria und die Wok-ExpertInnen von What a Wok köstliche Gerichte gezaubert. Aus Produkten, die einfach viel zu schade zum Wegwerfen sind, was man auch schmeckt. Als ich dort war, kredenzte man uns verschiedene Salate, Brot mit vielfältigen selbstgemachten Aufstrichen und Suppen. Als Nachspeise gab’s Joghurt mit Müsli. Bezahlt wird so viel, wie man gerne freiwillig spenden möchte.

Verwenden statt verschwenden

Denn sind wir uns mal ehrlich: Jeder von uns wirft manchmal Lebensmittel weg. Zu viel kaufen, zu oft auswärts essen, im Kühlschrank vergessen und das Mindesthaltbarkeitsdatum weit überschreiten – die Gründe sind vielfältig. Doch das hier soll keine Moralpredigt sein. Nein, hier ist lediglich eine kleine Bewusstseinsänderung angebracht. Derzeit werden rund 40 Prozent unserer Lebensmittel weggeworfen! Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen ist das Ziel, es benötigt oft nur ein Umdenken im täglichen Handeln.

Tipp:

Wer mag, kann sich das kommenden Samstag, 12. September, am Linzer Hauptplatz durch den Kopf und den Magen gehen lassen. Denn nachdem die Kochtopf-statt-Mistkübel-Kochshow einen intensiven Konzertsommer auf der Burg Clam begleitet hat, bekommen nun die hungrigen Radler der 1. Linzer Radparade eine schmackhafte Verpflegung.

Ja und was nicht auf diese vorbildliche Art und Weise verwertet wird, spenden zum Glück mittlerweile einige Supermärkte an den Sozialmarkt vom Roten Kreuz und ähnliche Initiativen. Auf dem goodblog findet ihr hierzu auch schon einen Artikel:
Rotes Kreuz: Vom Körberl ins Stüberl
Und nicht zu vergessen die noch junge gesetzliche Regelung Frankreichs: Lebensmittel spenden statt entsorgen

 

  

  1. Bei uns gibt es immer Resteressen ;) Da fallen uns schon gute Sachen ein, weil wegwerfen gibt es nicht ! Ich sage mir immer, wir haben zu essen, aber andere nicht :( und daher dürfen wir es nicht verschwenden ! LG Katrin

      • carmen
      • 4. Oktober 2015
      Antworten

      Schöner Ansatz! Mir gefällt das auch, wenn man verwertet, was man zur Verfügung hat. Wenn man regional kocht, muss man sowieso ein bisschen flexibel sein und schauen, was die Natur in der jeweiligen Zeit grad bereitstellt – so kann man dann auch Kreativität einsetzen um zu verkochen, was eben der Kühlschrank grad noch hergibt :-)

  2. Pingback: Kräuterwissen: Alte Heckenvielfalt | goodblog

  3. Pingback: Unverschwendet: Essen macht Sinn | goodblog – So viel Gutes!

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