Kräuterwissen

Kräuterwissen: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

9. Oktober 2015 , In: Natur, Wild werden
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Gut ist: die Pflanzen in unserer Umgebung kennenzulernen

Schon vor einiger Zeit, nämlich im Juli, war ich mit meinem Freund ein paar Tage im salzburgerischen Leogang auf Urlaub. Wir nächtigten dort im Hotel Rupertus und wie es das Schicksal für mich kleine Kräuterhexe bestimmt hat, bietet man dort Kurse und Ausflüge mit Kräuterschwerpunkt an. Ein Volltreffer: Während unseres Aufenthalts fanden sogar eine Kräuterwanderung UND ein Workshop zum Salben kochen oder Tinkturen ansetzen statt.

Kräuterwanderung für mehr Kräuterwissen

Gleich vier Stunden nahm sich die kundige, ältere Dame, ich glaube Anna war ihr Name, für uns Zeit. Wobei, das sollte ich vielleicht anders formulieren: Als ich meinem Freund eröffnete, dass unser Urlaub mit einer vierstündigen Kräuterwanderung beginnen sollte, zweifelte ich kurz daran, ob er sich die Zeit überhaupt nehmen möchte :-) Aber auch er war sehr schnell begeistert vom Fachwissen unserer Exkursionsleiterin. Und vor allem davon, wie praktikabel und naheliegend die ganzen Tipps sind, die man bei so einer Kräuterwanderung bekommt. Wir wissen ja meistens gar nicht, wie viele nützliche Pflanzen in unserer nächsten Nähe wachsen!

Kräuterwissen: KräuterwanderungKräuterwissen: KräuterwanderungKräuterwissen: Kräuterwanderung

Salben kochen auf der Mittelstation

Schwer begeistert und immer noch beseelt von der informativen wie nützlichen Wanderung nahm ich natürlich zwei Tage später auch gleich beim Kräuter-Workshop teil, der Basisinformationen darüber erhielt, wie man Tinkturen ansetzen und selbst Kräutersalben kochen kann. Ich entschied mich für letzteres, da ich das Prozedere der Tinkturen mit dem Ansetzen von Schnaps oder Likör vergleichbar finde – und da hab ich nun doch schon etwas Erfahrung. Im tollen alpinen Umfeld der Leoganger Seilbahn-Mittelstation am Asitz führte uns die Workshopleiterin zuerst auf Erkundungstour im wunderschönen und großzügig angelegten Kräutergarten. Schon dort keimte meine Vorfreude auf meine eigene Kräuterausbildung noch ein wenig mehr auf… doch dazu später mehr. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen zog uns die im Schatten einer Hütte befindliche mobile Herdplatte regelrecht an. Quasi im Schnellverfahren – wir hatten immerhin nur eine gute Stunde dafür Zeit – bekamen wir gezeigt, wie man aus Johanniskraut, Schafgarbe, Ringelblume und Rotklee eine Heilsalbe herstellen kann.

Wie geht das?

Ich möchte an dieser Stelle ebenfalls nur schemenhaft skizzieren, wie das funktioniert: Die frisch gepflückten Kräuter, die man idealerweise erntet, wenn sie die Sonne ein paar Tage beschienen hat und der morgendliche Tau verschwunden ist, gibt man in einem feuerfesten Geschirr in Olivenöl, sodass sie gut bedeckt sind. Bei nur mäßiger Hitze lässt man die Mischung nun eine Weile stehen, um schlussendlich einen Warmauszug zu erhalten. Zeitknappheit ist hierfür eigentlich nicht empfehlenswert, denn je langsamer man die Wirkstoffe entzieht, desto besser. Für die Demonstrationszwecke des Workshops war das aber allenfalls in Ordnung. Danach gibt man Bienenwachs dazu und löst dieses unter ständigem Rühren im Öl auf, die Hitze soll jedoch nicht wesentlich gesteigert werden. Das Wachs gibt es übrigens beispielsweise sehr hochwertig in Plattenform bei vielen Apotheken – oder aber natürlich beim Imker eures Vertrauens. Sobald die letzten Klümpchen verschwunden sind, können die Kräuter rausgefischt und die Salbe auch schon abgefüllt werden. Wenn sie fertig ausgehärtet ist, kann das Schmieren schon losgehen :-)

Kräuterwissen: Salben kochen

Ausbildung zur Kräuterpädagogin

Die Kursteilnehmer durften sich neben einer Menge neuem Kräuterwissen ihre neue Heilsalbe mitnehmen und konnten bei der Workshopleitung außerdem eine Vielzahl unterschiedlichster Mittelchen erwerben. Ich kehrte nachhause mit einer Stichsalbe (Spitzwegerich, Mädesüß, äth. Zitronenöl; auch bei Schuhblasen einsetzbar) sowie einer Bronchialsalbe (Lärche, Fichte, Tanne, Kiefer, Salbei, Majoran, Lavendel, Thymian, Anis, Fenchel). Und mit etwas noch viel Wichtigerem: der Erkenntnis, selbst unbedingt die Ausbildung zur Kräuterpädagogin machen zu wollen. Ich kann somit nicht nur mein eigenes Interesse vertiefen, sondern auf diesem Weg meinen Beitrag dazu leisten, auch andere in dieses Wissen einblicken zu lassen, das unsere Vorfahren als selbstverständlich erachteten. Mir würde es beispielsweise ausgezeichnet gefallen, damit in Schulen zu gehen und unsere Kleinsten dafür zu begeistern – was auch insofern gut passen würde, da ich (fast fertig ausgebildete) Freizeitpädagogin bin. Gerade diese Tatsache einer nebenberuflichen Weiterbildung, die nun schon seit mehr als einem Jahr ständig an den Wochenenden stattfindet, hätte mich auch fast von meinem Vorhaben abgebracht. Obwohl ich seit Herbst 2014 vorangemeldet war und mich seit Dezember des Vorjahres als eine der glücklichen Teilnehmerinnen schätzen durfte, die es in den Kurs für August 2015 (!) geschafft haben, hätte ich fast gezögert, weil ich endlich wieder freie Wochenenden wollte. Die Kräuterwanderung und der Salben-Workshop haben mir aber wieder gezeigt, wie wichtig mir die Pflanzen sind, die in unserer nächsten Umgebung nur darauf warten, entdeckt zu werden. Darum habe ich mittlerweile zwei Kurswochenenden als angehende Kräuterpädagogin hinter mir – und möchte keine Sekunde davon missen! In diesem Sinne wird in einiger Zeit wohl noch eine ausführlichere Information mit einer detaillierteren Anleitung zum Salbenkochen folgen. 

Weitere Informationen rund ums Kräuterwissen:

Die Kräuterwanderungen und Workshops in Leogang im Rahmen der Löwen Alpin Card gibt es im Sommer regelmäßig:
Kräutersalben kochen & Tinkturen ansetzen
Kräuterwanderungen

Wer aber auch zwischenzeitlich kräutertechnisch dabei bleiben möchte, den darf ich sehr herzlich auf den goodblog einladen. Bereits nächste Woche wird ein kleiner Beitrag über Herbstliche Hecken erscheinen; in Kürze ein Blogpost zu meinem Artikel im nächsten Biomagazin, bei dem ich über meine Ausbildung am LFI berichte. Im Laufe meiner Ausbildung werde ich so viele neue Sachen lernen, an denen ich euch gerne teilhaben lassen möchte, sodass sich immer wieder Beiträge mit Schwerpunkt Kräuterwissen ergeben. Ich freu mich darauf – und auf euch als Leser und Kommentatoren, gerne mit neuen Ideen und Anregungen!

  1. Antworten

    Toller Beitrag! Meine Mama ist auch so eine „Kräuterhexe“ und die meisten Beschwerden werden mit Kräutern und Pflanzen beseitigt^^ Auch selbst gemachte Tees stehen fast täglich auch auf meinem Schreibtisch. Es gibt doch nichts besseres als die Natur an sich und ich mag dieses natürliche! Wir stopfen schon genug ungesundes in unseren Körper..

      • Carmen
      • 11. November 2015
      Antworten

      Liebe Sonja,
      bitte vielmals um Entschuldigung, dein Zuspruch ist mir total durchgerutscht. Freut mich jedenfalls sehr, dass du und deine Mama auch auf den Kräuter-Zug aufgesprungen seids :-D Es geht doch einfach wirklich nichts über ein wenig mehr Bewusstsein für die Schätze rund um uns – und leckere Kräutertees, Kräuterkekse, Marmeladen, aber auch Tinkturen und Salben. Es ist einfach so vielfältig!

  2. Pingback: Altes Wissen bewahren durch Kräuterpädagogik | goodblog

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