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Superfood Brennnessel: Brennnesselpesto & Co.

20. April 2016 , In: Ernährung, Wild werden
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Gut ist: Brennnesseln eine Chance zu geben

Den Anfang ins Kräuterjahr am goodblog haben bereits Vogelmiere, Bärlauch und Giersch gemacht. Heute ist eine Pflanze an der Reihe, die euch das ganze Jahr über erfreut: die Brennnessel.

Es sind Hobby-GärtnerInnen unter euch, die diese unbändige Freude über das durch seine Härchen doch sehr angriffslustige und sich stark vermehrende Gewächs nicht teilen? Habt Verständnis! Das Superfood Brennnessel sucht förmlich unsere Nähe. Kaum wird es dort zu finden sein, wo keine Spuren menschlicher Behausung sind. Im Kräuterwissen sagt man sich, dass die Pflanzen, die jemand dringend benötigt, oftmals gleich in seiner Nähe zu finden sind. Umso mehr sollten wir der vielseitigen Brennnessel Beachtung schenken – wir dürften sie demnach alle dringend brauchen.

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Das Superfood Brennnessel

Die Brennnessel erweist uns nämlich allerhand gute Dienste. Sie senkt Blutdruck und Cholesterin, regt den Stoffwechsel an und sorgt für Reinigung. Und zwar wirkt sie einerseits blutreinigend, wie auch wassertreibend und schleimlösend. Außerdem verfügt sie über einen sehr hohen Eisengehalt und kurbelt die Leber an. Damit macht sie sich zur perfekten Frühjahrspflanze, die man ruhig mal zur Kur über drei Wochen intensiv zu sich nehmen darf. Dann ist aber wieder Schluss damit, da das Superfood Brennnessel auch superintensiv auf den Körper wirkt und wir diesen ja nicht mit Nährstoffen überlasten wollen.

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In früheren Zeiten wurde die Brennnessel auch schon sehr rege eingesetzt. Man kann davon halten, was man will, aber irgendwas wird schon dran sein… immerhin gibt es für die hautreizende Pflanze eine Vielzahl an Überlieferungen, wofür sie nicht alles tauge. Ein paar derartige Geschichten gefallen mir besonders uns sollen euch nicht vorenthalten werden: Die Brennnessel diente nicht nur als Orakelpflanze, Kultspeise (am Gründonnerstag) und antidämonisches Mittel im Stall, sondern auch als Aphrodisiakum und Fruchtbarkeitsmittel. Die Brennnesselsamen – vorzugsweise der männlichen Pflanzen – verwendete man sogar als natürliches Dopingmittel für Pferde. Aber auch unsereins kann die kleinen Kügelchen gern beispielsweise geröstet auf dem Butterbrot verspeisen, um zu mehr Kraft zu kommen. Für derartige Geschmackserfahrungen benötigt ihr aber noch ein wenig Geduld, da die Blütezeit erst etwa im Mai beginnt.

Die Informationen lehnen sich wie üblich an das tolle Nachschlagewerk Die Kräuter in meinem Garten“ von Sigrid Hirsch und Felix Grünberger aus dem Freya Verlag* an.

Die Rezepte hingegen nicht, das sind üblicherweise experimentelle Eigenkreationen :-)

Der Widerspenstigen Zähmung

Für die Küche verwendet werden in erster Linie die jungen Spitzen der Brennnessel. Selbst diese findet man fast das ganze Jahr, da sie nach der Mahd wiederkommen. Nun kann man dem Loblied auf das Kraut entgegenhalten, dass die Brennnessel sich nicht einfach ernten lässt. Grundsätzlich stimmt das wirklich; auch wenn viele Kräuterexperten meinen, man müsse die Brennnessel bloß aus der richtigen Richtung anfassen, damit sie einen nicht verletze – ausprobieren muss man das nicht unbedingt. Wer vorhat, Brennnesseln in nächster Zeit in seinen Speiseplan aufzunehmen, tut gut daran, dünne Gartenhandschuhe zur Ernte mitzubringen. Bei der Verarbeitung lässt man diese noch an, während man die Brennnesseltriebe in die Küchenmaschine oder den Zerkleinerer gibt. Durch derartige Behandlung werden die Nesselhaare unschädlich gemacht, danach passiert nichts mehr. Wer keine solche Maschine zuhause hat, kann sich mit einem einfachen Trick helfen: Die Brennnessel-Blätter auf einem Brett auflegen, mit einem Nudelholz oder schlicht einer Getränkeflasche einige Male fest darüber rollen. Auch auf diese Weise werden die Härchen geknackt und stecken nicht mehr.

Was tun mit der Brennnessel?

Brennnesselblätter eignen sich nicht nur als Tee, sondern auch hervorragend als Wildspinat. Man kann ihn als ausschließliche Zutat verwenden oder schlicht einen Teil des klassischen Spinats bei der Zubereitung durch das Wildkraut ersetzen. Im grünen Smoothie entfaltet das Superfood seine Wirkung ebenso perfekt. Durch die Verarbeitung besteht auch im rohen Zustand keine Gefahr, dass man sich auf der Zunge sticht. Die getrockneten und gerösteten Brennnesselsamen streut man übers Müsli, in den Brotteig oder den Auflauf. Oder man kocht eine ganz einfache Suppe, die nicht nur am Gründonnerstag mundet.
Hier sind meine drei Lieblingsvarianten, das Superfood Brennnessel zu verarbeiten und die Wirkstoffe sogar ein wenig zu konservieren:

Brennnesselsuppe

Zutaten:

3 Handvoll frische Brennnesseln
1 Zwiebel
3 kleine Kartoffeln
1 gehäufter TL Gemüsepaste (oder 1 Suppenwürfel)
1 l Wasser
etwas Crème fraîche oder Sauerrahm
1 EL Rapsöl
Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Brennnesseln in den Mixtopf des Thermomix geben und für 5 Sek./Stufe 8 zerkleinern. Topf leeren, Brennnesseln beiseite stellen.

goodblog: Superfood Brennnessel - Brennnesselsuppe

Die Zwiebel in den Mixtopf geben, 10 Sek./Stufe 10 zerkleinern. Rapsöl dazu und 3 Min./120°C/Stufe 1 dünsten.

goodblog: Superfood Brennnessel - Brennnesselsuppe

Kartoffelwürfel beigeben und ebenfalls 3 Min./120°C/Stufe 1 weiterdünsten. Unser Superfood Brennnessel, Wasser und Suppenwürze zugeben, etwa 10 Min./105°C/Stufe 1 kochen, bis die Kartoffeln gar sind. Etwa 2 EL Crème fraîche oder Sauerrahm zugeben, kurz auf Stufe 9 oder 10 (ganz nach Geschmack) pürieren, fertig!

goodblog: Superfood Brennnessel - Brennnesselsuppe

Brennnessel-Pesto

Zutaten:

Für 4 kleine Gläser:
200 g Brennnesseln
200 ml Olivenöl
50 g Grana Padano
75 g Feta
100 g Sonnenblumenkerne
Saft von ½ Zitrone
8 Zehen Knoblauch
Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Sonnenblumenkerne in einer beschichteten Pfanne ohne Fett kurz rösten, bis sie zu duften beginnen. Den Grana Padano reiben/zerkleinern und zur Seite stellen. Die frischen Brennnesseln (nur die oberen, jungen Triebe pflücken) samt Olivenöl, Zitronensaft, Knoblauchzehen im Thermomix zerkleinern. Feta dazu, mit Salz und Pfeffer abschmecken, fertig!

[Ich hab leider vergessen, das Brennnessel-Pesto für euch zu fotografieren – aber ihr könnt mir glauben, es ist grün mit hellen Stückchen drin :-P]

Brennnessel-Aufstrich

Zutaten:

50-100 g Brennnesseln
175 g Frischkäse
75 g Topfen
etwas Zitronensaft
2 Zehen Knoblauch
etwas Joghurt oder Schlagobers/Sahne
Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Brennnesseln zerkleinern, Knoblauch pressen. Alle Zutaten vermischen, mit Joghurt und/oder Schlagobers für mehr Cremigkeit verfeinern. Abschmecken, fertig!
Tipp: Den Aufstrich vor dem Servieren frisch zubereiten, da der Topfen in Kombination mit dem Superfood Brennnessel leider ein wenig bitter wird.

goodblog: Superfood Brennnessel - Brennnesselaufstrich

Ich kann euch nur wieder einmal empfehlen, beim Kochen einfach Kreativität als Hauptzutat zu verwenden. Heute hat’s zum Beispiel eine klassische Serviettenrolle gegeben, in die ich anstelle der Petersilie eben unser regionales Superfood Brennnessel eingearbeitet hab. Ach ja, das Weißbrot wurde durch übrig gebliebenes Schwarzbrot ersetzt. Und den Feta, der mir beim Pesto übrig geblieben ist, hab ich grad auch noch reingemischt. Das Ergebnis schmeckte ein bisschen wie Brotsupe, falls das noch jemand kennt, und war superlecker! Hauptsache, alles kommt auf den Tisch :-)
Guten Appetit!

* Dieser Beitrag enthält Affiliate Links.
  1. Antworten

    Hallo Carmen,

    Brennesseln sind sehr gesund und schmeckt sogar. Die Suppe werde ich mal probieren, danke für die Rezepte.
    Liebe Grüße
    Tanja

      • Carmen
      • 20. April 2016
      Antworten

      Ganz meine Meinung! Freut mich, bitte gerne – lass es dir schmecken!
      Ganz liebe Grüße und bis Freitag :-))
      Carmen

  2. Antworten

    Hallo Carmen,

    also ich bin ja mit Brennneseeln nicht so wirklich zu begeistern. Allerdings klingt dein Pesto-Rezept jetzt nicht ganz unappetitlich. Das werde ich mal probieren. Wobei ich erst Brennnesseln suchen muss. Denn irgendwie wohnt da keine in meiner direkten Nähe. Mag auch daran liegen, dass der Garten ja erst ein paar Monate alt ist. oder sie mag die Friedhofsnähe nicht. Na… Egal… irgendwo werd ich schon ein paar Hände herbekommen. Im Notfall lauf ich mit einem Gummi-Handschuh durch die Stadt. :P
    GLG
    Limettchen

      • Carmen
      • 20. April 2016
      Antworten

      Haha, ich werte „nicht ganz unappetitlich“ in diesem Zusammenhang mal als Kompliment :-) Das Pesto ist sicherlich ein guter Weg, doch Gefallen an der Brennnessel zu finden, da man sie da wegen dem Feta nicht so arg rausschmeckt. Wobei ich find, dass sie sich ja nicht verstecken muss… aber Geschmäcker sind ja verschieden.
      Gib den Brennnesseln jedenfalls noch ein wenig Zeit, die kommen bestimmt noch. Direkt in der Stadt würd ich ehrlich gesagt nicht ernten; die Brennnessel macht gern den Boden heil, wo beispielsweise viel Stickstoff ist, und nimmt sehr viel von der Umgebung auf. Das sind in der Nähe von Parkplätzen und stark befahrenen Straßen halt dann schon Abgase und dergleichen. Manche meinen ja, dass sich die Pflanze auch um Elektrosmog annimmt, u.a. wegen dem hohen Eisengehalt. Das sollte man bei der Auwahl der Ernteflächen zumindest mal gehört haben und im Hinterkopf behalten, find ich.
      Alles liebe,
      Carmen

    • Kea
    • 24. April 2016
    Antworten

    Wow, ich bin ganz begeistert von deiner Kreativität in der Küche, Carmen! Und komme mir sehr brav vor mit meinem Brennnesseltee :D Den finde ich tatsächlich superlecker & trinke ihn sehr gern. Als Aufstrich oder Pesto klingt’s aber auch spannend! Das muss ich mal ausprobieren :) Liebe Grüße, Kea

      • Carmen
      • 25. April 2016
      Antworten

      Ooooh, das freut mich aber! Brennnesselteee ist ja eh sehr zu empfehlen, da darfst dir ruhig brav vorkommen :-D
      Alles Liebe,
      Carmen

  3. Antworten

    Coole Rezepte, bei mir kommen Brennnesseln mehrmals die Woche in den Smoothie. :)

      • Carmen
      • 15. Juni 2016
      Antworten

      Gute Entscheidung! Lass sie dir schmecken :-)

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