goodblog: Ungeschminkt.

Ungeschminkt.

15. November 2017 , In: Alltag
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Gut ist: sich mit dem wohlfühlen, was man tut

So. Ich muss jetzt kurz meinen Senf abgeben zur aktuellen Debatte. Es gibt seit längerem, aber speziell im Zusammenhang mit den #metoo-Missbrauchsvorwürfen, vermehrt Stimmen, die zu wissen meinen, wie sich alle verhalten sollen: Frauen, wie Männer sein sollen, Männer, was Frauen tun sollen, Frauen, was andere Frauen doch bitte unterlassen mögen.

Was ich nicht mag: Artikel wie diesen hier (auch wenn an manchen Stellen durchaus ein Fünkchen Wahrheit darin mitschwingt). Ja, Sexismus ist ein Thema. Aber nein, er wird sicherlich nicht verschwinden, wenn Frauen aufhören, sich zu schminken. Und Strumpfhosen zu tragen.

Was ich hier mache, ist ein bisserl unfair. Ich picke aus jenem Zeit-Artikel nur raus, worüber ich mich mokieren will. Genau das ist es aber auch, was manche Frauen mit anderen Frauen tun. Eigentlich passt eh alles, aber eins stört mich? Dann bitte unbedingt die ganze Energie auf diesen Punkt hinlenken. Am besten mit unterschwelligen Schuldzuweisungen. Was täten wir denn sonst.

Zurück zur Grundsatzfrage: Welches gesellschaftliche Problem löst es, wenn ich beurteile, ob und wie stark sich andere Frauen schminken? Wie sie sich kleiden? Sollten wir nicht lieber über das große Ganze nachdenken, anstelle erst recht wieder Forderungen zu stellen? Vor allem welche, die in den höchstpersönlichen Privatbereich jeder und jedes einzelnen fallen.

Leben und leben lassen

Für mich als bequemes Naturmädl mutet es ja auch abstrus an, wenn manche Arbeitgeber Anzug und Business-Kostüm samt High-Heels als Berufskleidung vorschreiben. Wenn ich dieser Regelung allerdings nicht nachkommen möchte, suche ich vermutlich mein Glück eben woanders.

Es gibt aber viele, denen es durchaus Freude bereitet, sich aufzubrezeln. Ganz ohne dadurch besonders aufreizend wirken zu wollen und dem anderen Geschlecht erwartungsgemäß entgegentreten zu wollen. Das ist zum Beispiel auch die junge Mutter, die sich vor dem langersehnten Mädelsabend wieder einmal Zeit nehmen will, um sich und ihren eigenen Körper zu kümmern, nachdem sie das sonst immer für ihre Kinder tut. Und dann auch das schöne Gewand ausführen möchte, das im Kontrast zur unkomplizierten Alltagskleidung steht. Und wer von euch fühlt sich eigentlich nicht gut nach einem längst fälligen Friseurbesuch? Oder geht ihr euch nur zurecht machen, weil ihr jemanden beeindrucken wollt?

Und selbst wenn’s so ist: Mir ist’s wurscht.

Für sich selbst herausfinden

Gerade solch vehemente Forderungen wie jene aus oben genanntem Zeit-Artikel erheitern mich unglaublich:

„Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung.“

 

Was, wenn mir die Beschäftigung mit mir selbst Spaß und Erholung bietet?

Ungeschminkt: Ein Selbstversuch

Für mich persönlich kommt das alles zu einem Zeitpunkt, wo ich mich tatsächlich mit dieser Thematik beschäftige, und zwar seit vergangenem Sommer. Aus einem gänzlich anderen Gesichtspunkt (Achtung, Wortwitz!).
Seit meiner Kurzzeit-Pilgerung nach Mariazell Mitte August verbringe ich die meiste Zeit ungeschminkt. Das bedeutet für meinen Auftritt wahrlich keine bahnbrechende Neuerung: Ich lasse Concealer, Abdeckstift und Wimperntusche weg, mehr brauchte es auch zuvor nicht.

Warum?

Nicht, weil ich irgendjemandem etwas damit beweisen möchte. Nur mir. Seit meiner Jugend war ich es bisher gewöhnt, mir routinemäßig mal mehr (Pubertät), mal weniger (die letzten zehn Jahre, haha) Schminke ins Gesicht zu klatschen. Mein Antlitz ohne Wimperntusche im Spiegelbild wirkte auf mich müde. Dabei ist das doch der Normalzustand.

Mein Freund wiederum bekrittelt die seiner Meinung nach verlorene Zeit, die ich (und alle Frauen) damit im Bad verplempern, uns morgens anzumalen und abends wieder abzuschminken. Dazu kommt die Zeit, die wir dann vielleicht benötigen, um die irritierte Haut zu pflegen, weil wir sie ja tagsüber nicht in ihrem Urzustand lassen, in dem sie sich eh selber regenerieren könnte.

Ich selbst verwende zwar seit Jahren kein Make-Up, aber ohne Wimperntusche ging ich nicht mal sporteln. Bis ich Weitwandern war und nach den drei Tagen, in denen ich mich rundum wohlgefühlt habe, einfach kein Bedürfnis nach Kosmetikprodukten verspürt habe. Damit begann dann ehrlicherweise allerdings schon eine Phase des Unwohlseins. Ungeschminkt im Alltag fühlte ich mich beobachtet. Ich fragte mich tatsächlich, ob das meinem jeweiligen Gegenüber auffällt, was es sich denkt, ob er/sie sich fragt, ob ich krank/müde bin, ob ich mich jetzt gehen lasse, weil ich im Homeoffice arbeite und nur manchmal rauskomme, ob ich als total alternativ wahrgenommen werde. Wie doof, was da alles im Kopf vorgeht! Dabei ist’s doch komplett wurscht.

Auf Rückfragen bei Freundinnen fällt es den meisten schon auf, aber Gedanken machen sich die wenigsten darüber. Und selbst wenn. Wenn ich mich so wohlfühle, strahle ich das ja auch aus.

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Geschminkt oder ungeschminkt, das ist hier die Frage… hauptsache, wir ham a Freud‘!

Mein Selbstexperiment bezieht sich zur Gänze darauf, mich wohlfühlen zu wollen, auch ohne durch diese Kleinigkeit wie Wimperntusche in meinen Auftritt einzugreifen. Und ich kann euch sagen: Ich finde es erstaunlich, wie sehr mich das tatsächlich beschäftigt. Obwohl ich ja gar nicht wirklich tief in der Materie stecke! Ich kann tatsächlich jedem nur ans Herz legen, das mal für sich selbst auszuprobieren. Wenn ihr wollt. Und wenn nicht, schminkt euch; tut was ihr wollt. So lange ihr euch wohlfühlt.

Als ob’s nicht wurscht wär, ich kann’s gar nicht oft genug sagen.

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Wem fehlt bei diesen Schlitzaugerln die Wimperntusche???

    • Uli
    • 15. November 2017
    Antworten

    Genauso sehe ich das auch. Ich schminke mich ja auch nicht – außer Wimperntusche (meistens, aber nicht immer) – Naturschönheiten wie wir brauchen das ja auch nicht ;-)

    Am letzten Bild wage ich zu behaupten, dass keiner Wimperntusche trägt, bei den zwei jungen Herren bin ich mir aber wg dem Lipgloss nicht sicher :-)

    Aja und Bemerkung an die Frau Kuchler: ich kann ihr locker 10 Männer in meinem Umfeld anbieten, die länger – viel länger – als ich im Bad brauchen.

    Glg Uli

      • Carmen
      • 15. November 2017
      Antworten

      Hahaha, ja, du sagst es – wer’s net braucht… :-D Na im Ernst, irgendwie schräg, was die einen Damen den anderen so ankreiden. I bin ma jedenfalls sicher, dir steht’s mit und ohne! (Genau wie den Herren, hihi)
      Liabste Griaß,
      Carmen

    • Daniela Messner
    • 21. November 2017
    Antworten

    Natur pur ist in jeder Hinsicht einfach schön :-) und vor allem die gewonnene Zeit ist auch nicht zu verachten ;-) Und wenn’s dann doch einmal etwas Farbe gibt, kann man damit noch überraschen ;-)
    Und beim Anblick von manchen Fotos erwische ich mich sehr oft bei der Beschäftigung mit der Frage, was daran noch echt und vor allem authentisch ist, deswegen bin ich persönlich für viel mehr Natürlichkeit.

    Liebe Grüße
    Dani

      • Carmen
      • 21. November 2017
      Antworten

      ja goi, so seh ich das auch!
      Danke und liabe Griaß,
      Carmen

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